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Hintergrund: Die Jesuiten

Zum ersten Mal in der Kirchengeschichte stellt der Orden einen Papst

Der neue Papst Franziskus ist der erste Pontifex aus den Reihen der Jesuiten in der Geschichte der katholischen Kirche. Dem weltgrößten Männerorden, der offiziell Gesellschaft Jesu heißt, trat der 76-jährige Argentinier Jorge Mario Bergoglio im Jahr 1958 bei. Er gelobte damit, arm und keusch zu leben und verschrieb sich einem Orden, der vor allem in der Seelsorge, der Bildungsarbeit und der Entwicklungshilfe tätig ist.

Gegründet wurde der Jesuitenorden am 15. August 1534 in Paris durch den Heiligen Ignatius von Loyola und einige seiner Studiengefährten. Ihr Ziel war es, in Palästina zu missionieren, wohin sie jedoch nicht gelangten. Daraufhin ließen sie sich in Rom nieder, wo Papst Paul III. die Gemeinschaft am 27. September 1540 anerkannte. Schwerpunkt der sich binnen weniger Jahrzehnte in Europa ausbreitenden Ordensarbeit wurde schnell der Unterricht in Schulen.

Im 17. und 18. Jahrhundert gerieten die Jesuiten in Europa zunehmend unter Druck. Vor allem unter Vertretern der Aufklärung gab es Verschwörungstheorien. Den Jesuiten wurde zudem vorgeworfen, sich in politische Fragen einzumischen. Im Jahr 1759 wurde der Orden in Portugal, wenig später auch in Frankreich und Spanien veboten. Dem Druck beugte sich schließlich auch Papst Clemens XIV. und löste den Orden am 21. August 1773 auf, was nur in Preußen und Russland nicht anerkannt wurde. Am 7. August 1814 ließ Papst Pius VII. den Orden wieder zu.

Vor Ort

Do, 14.03.13, 11.00 Uhr

Obwohl die Jesuiten streng hierarchisch organisiert sind, leben sie nicht in Klöstern, sondern in offenen Häusern und Kollegien. Migtlieder nennen sich zunächst Novizen und während ihrer wissenschaftlichen Ausbildung Scholastiker. Nach zenhjähriger Ausbildung werden sie sogenannte Koadjutoren und legen ein Keuschheits-, Armuts- und Gehorsamsgelübde ab, nach 17 Jahren folgt die Stufe der Professen. Geistliche Koadjutoren und Professen sind zugleich Priester.

Der Orden hat nach eigenen Angaben gut 17.600 Mitglieder, darunter mehr als 12.500 Priester. Er ist weltweit in 89 Provinzen oder Regionen aufgeteilt und gibt an, seine Mitliederzahlen in Asien und Afrika zu steigern, während sie in Lateinamerika stagnierten, in Europa und Nordamerika aber zurückgingen. Für die deutsche Provinz, zu der auch Dänemark und Schweden gehören, werden knapp 400 Ordensbrüder angegeben, für Österreich fast 80, für die Schweiz rund 65.

Der derzeit in der Welt bekannteste Jesuit nach dem neuen Papst dürfte der vatikanische Pressesprecher Federico Lombardi sein. Aus Deutschland gehört etwa der CDU-Politiker Heiner Geißler dem Orden an. In Rom sind die Jesuiten Träger der bekannten Päpstlichen Universtät Gregoriana, in Deutschland betreiben sie zwei Hochschulen in der Nähe von Frankfurt am Main und in München sowie drei Gymnasien in Berlin, St. Blasien und Bonn.

Mit Material von AFP

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